Globales Varianten Produktionssystem
Kurzfassung:
Es wurde ein Produktionssystem entwickelt, das deutschen Unternehmen erlaubt, ihre Montagestandorte in Deutschland zu stärken und gleichzeitig von einer Internationalisierung ihrer Produktion und Kooperationsbeziehungen zu profitieren. Durch eine grundlegend neue Sicht auf Montageprozesse und eine neue Form der Vorortung von Montageumfängen innerhalb der Wertschöpfungskette wurden Alternativen zu einer nur kostenbegründeten Verlagerung von Montageumfängen an ausländische Standorte aufgezeigt.
www: http://www.gvp-projekt.de
Holger Möhwald
Möhwald Unternehmensberatung
Tel.: 0551 7706868
E-Mail: kontakt@moehwald-unternehmensberatung.de
Ansprechpartner bei PTKA-PFT:
Dipl.-Wirtsch.-Ing. Christel Schwab
Tel.: +49 721 608-25288
E-Mail: christel.schwab@kit.edu
Problemstellung:
Globalisierung birgt Chance und Risiko zugleich. Die Gründe für Produktionsverlagerungen ins Ausland sind vielfältig. So spielt zum Beispiel der Währungsausgleich genauso eine Rolle, wie beispielsweise die Erschließung neuer zukunftsweisender Märkte. Für viele Zulieferunternehmen besteht zudem die Notwendigkeit, den Endherstellern in globale Regionen zu folgen. Auch gut ausgebildete technische Fachkräfte sind in manchen Weltregionen verfügbar. Problematisch bei dieser Entwicklung ist, wenn als einziger Grund für di Verlagerung ins Ausland nur die Lohnkostenvorteile geltend gemacht werden.
Diese Betrachtungsweise gefährdet besonders die personalintensiven Montagearbeitsumfänge und wirft die Frage auf, wie der nachlassenden Attraktivität Deutschlands als Montagestandort begegnet werden kann.
Projektergebnisse und Anwendungspotential:
Die Lösung liegt in einer mehrdimensionalen Betrachtung und Bewertung der Montageumfänge. Die Orientierung erfolgt nicht mehr einseitig an den Lohnkosten als zentralem Faktor der Herstellkosten. Ausschlaggebend wird statt dessen eine Vielzahl wettbewerbsrelevanter Kriterien wie z.B. die Definition von Kernkompetenzen der deutschen Standorte, die Berechnung und Bewertung der Kosten einer globalen Logistik, sowie die Chancen und Risiken international verteilter Wertschöpfungsketten.
Das Projekt gestaltete Einheiten von Montage- und Fertigungsprozessen auf der Ebene von Baugruppen, die virtuell zerlegt und neu kombiniert werden können. Die Entscheidung, wo diese Baugruppen beschafft, hergestellt oder komplettiert werden, erfolgte anhand einer Vielzahl gegeneinander abzuwägender Entscheidungskriterien. Dadurch, dass hierbei nicht mehr eine einseitige Kostenbetrachtung im Vordergrund stand, sondern Kriterien, wie etwa die Kernkompetenz eine größere Bedeutung erfuhren, wurden durch die konsequente Anwendung des Globalen Varianten Produktionssystems GVP Alternativen zu einer allein kostenbegründeten Verlagerung von Montageumfängen an ausländische Standorte aufgezeigt.
Die Verbundpartner haben mit dem Globalen Varianten Produktionssystem (GVP) ein ganzheitliches Konzept entwickelt, das fünf einzelne Bausteine, sowie deren wechselseitige Beziehung umfasst. Diese Bausteine sind die Produktstrukturierung, die Technologiedifferenzierung, die Produktionsstufen- und die Logistikgestaltung sowie die Gestaltung internationaler Kooperationsbeziehungen. Jeder Baustein wurde maßgeblichen Differenzierungs- und Bewertungskriterien unterzogen, um ihn messbar und bewertbar zu machen und zu erproben. Damit garantiert ein solches globales Produktionssystem eine zuverlässige und marktnahe Lieferung kunden- und länderspezifischer Varianten bei gleichzeitig ausreichend Imitations- und Know-how-Schutz.
Die Projektergebnisse wurden bei drei Pilotunternehmen erfolgreich evaluiert. Die Ergebnisse werden in zwei Industriearbeitskreisen, welche über die Projektlaufzeit hinaus einem breiten Anwenderkreis zur Verfügung stehen, weiter verbreitet.
Autor: Nyhuis, P.; Nickel, R.; Tullius, K.
Verlag: PZH Produktionstechnisches Zentrum GmbH, Hannover
Erscheinungsjahr: 2008
ISBN: 978-3-939026-98-3
Beschreibung: Klein- und mittelständische deutsche Industrieunternehmen (KMU) haben ihren Internationalisierungsstrategien im Zuge der weltwirtschaftlichen Veränderungen, die allgemein unter dem Begriff der "Globalisierung" diskutiert werden, in den vergangenen Jahren eine neue Richtung gegeben. Während sie Jahrzehnte lang - und bekanntlich durchaus erfolgreich - vor allem auf den Export hierzulande entwickelter und gefertigter Güter setzten, etablieren auch sie nun zunehmend Strukturen, die man als "Globale Produktionsnetzwerke" bezeichnen kann. In diesem Prozess wächst nicht nur der im Ausland erzielte Umsatz, sondern erhöhen sich auch dortige Beschäftigungs- und Wertschöpfungsanteile. KMU folgen damit in gewisser Weise jenen Entwicklungspfaden, die hiesige Großunternehmen teilweise bereits im ausgehenden 19. Jahrhundert beschritten haben. Die Gründe für eine zunehmende Ausweitung und Vernetzung global verteilter Produktion (und teilweise Entwicklung) deutscher KMU sind vielfältig: Der Markteintritt von Konkurrenten aus Niedriglohn- und/oder Schwellenländern und damit die Intensivierung des internationalen Wettbewerbs, die Marktsättigung in den etablierten Märkten und die geographische Verschiebung von Absatz- und Beschaffungsmärkten in Richtung Mittel- und Osteuropa und nach Asien oder auch die Strategien der "Global Player" ("following customer") sind wichtige Impulse. Einen weiteren - und für dieses Projekt Namen gebenden - Impuls bildet die Tatsache, dass die Erschließung neuer Absatzmärkte mit einer Ausdifferenzierung von Kundenanforderungen hinsichtlich Produktgestaltung, Preis, Liefergeschwindigkeit und Qualität einhergeht. Kurz: die Anforderungen an eine marktspezifische und Varianz erlaubende und dabei gleichzeitig effiziente, flexible und schnelle Produktion (und Entwicklung) von Gütern macht es heute auch für KMU attraktiv und ggf. unumgänglich, neben Vertriebs- und Beschaffungs-, auch Montage- und Fertigungsaktivitäten zu internationalisieren.