Unsere Volkswirtschaft ist gekennzeichnet durch schnelle Verhaltensänderungen von Kunden, Mitbewerbern, Lieferanten und Konsumenten. Zudem ändern sich die Rahmenbedingungen rasant, wie die fortschreitende Internationalisierung der Märkte oder der immer schnellere Informations- und Wissenstransfer. Diese Bedingungen zwingen die Unternehmen zur genaueren Beobachtung ihres Umfelds und zur gezielten Ableitung der zukünftigen Geschäftspolitik. Dies geschieht in der so genannten Geschäftsfeldplanung. Sie ist der eigentlichen Produktentwicklung vorangestellt und liefert ihr wesentliche Vorgaben. Hier werden die Weichen für den Erfolg oder Misserfolg einer Geschäftsaktivität gestellt.
Erfolgreiches Wirtschaften wird nicht nur von Kontinuität sondern oftmals von Wandel bestimmt. So kann es nicht das einzige Ziel eines Unternehmens sein, eine erreichte Position, zum Beispiel die des Marktführers, zu behaupten. Das Unternehmen muss diesen Vorsprung nutzen, um in neue Geschäftsfelder zu investieren und somit die eigene Zukunft sicherzustellen.
Wie schafft man es – so ist die Leitfrage – für ein Unternehmen dauerhaft Wettbewerbsvorteile herzustellen, die zu einem nachhaltigen Wachstum führen? Das gemeinsame Ziel aller Projekte in diesem Themenfeld ist die Entwicklung eines umfassenden Instrumentariums für das Vordenken, Planen und Ermöglichen der Geschäfte von morgen - einschließlich erfolgreicher exemplarischer Anwendungen. Wichtig darüber hinaus, ist die Schärfung des Bewusstseins dafür, dass Geschäftsfelder strategisch geplant werden können und müssen.
Folgende Erfolgsfaktoren für das Erreichen und Sichern der Wettbewerbsfähigkeit wurden betrachtet:
Die intelligente Kopplung von Sach- und Dienstleistungen zu kundenspezifischen Lösungsangeboten bietet Industrieunternehmen Chancen für Wachstum und steigende Umsatzrenditen. Werden diese Lösungsangebote mit innovativen neuen Geschäftsmodellen verknüpft, entsteht das ökonomische Potential, um Wettbewerbspositionen auch global zu festigen. In den Verbundprojekten OGEMO.NET, TecPro, IDproBlech und Service Chain wurden neue Geschäftsmodelle für Sach- und Dienstleistungsbündel entwickelt und im Unternehmen oder im kooperativen Wertschöpfungsnetzwerk umgesetzt und validiert. Die Verbundprojekte Fit2Solve, ProPro, GRiPSS, ProDienst und ServPay entwickelten Konzepte und Methoden für die Integration von Sach- und Dienstleistungen bei Entwicklung, Erstellung und Vermarktung im Unternehmen. Die Entwicklungsergebnisse dieser Verbundprojekte - gebündelt auf der gemeinsamen Internetplattform Servicepartner-Industrie - geben fundierte Antworten auf die Fragen: Wie gestalte ich mein Portfolio, um den Kunden ein optimales Leistungspaket aus Sach- und Dienstleistung schnüren zu können? Wie müssen die internen und externen Unternehmensprozesse für die Leistungsabwicklung optimiert werden? Wie finde ich die richtige Preisstruktur für meine angebotenen Leistungen? Welche Kompetenzen werden benötigt? Die Industriepartner der Verbundprojekte zeigen mit ihren Pilotbeispielen einen erfolgreichen Weg für den Wandel vom Produzenten zum Lösungsanbieter auf.
Dauerhafte Wandlungsfähigkeit wird für die langfristige Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit zur Grundvoraussetzung. Das bedeutet, die Fähigkeit von Unternehmen flexibel auf kurzfristige Veränderungen der für sie entscheidenden Parameter reagieren zu können. Das Verbundprojekt DaWa erarbeitete Möglichkeiten, mit denen die hohe Unsicherheit im Hinblick auf das richtige Maß zwischen benötigter Dynamik und erforderlicher Stabilität in den Unternehmen überwunden werden kann. Ergebnis ist das Gesamtmodell eines dauerhaft wandlungsfähigen Unternehmens, wissenschaftlich fundiert und praxiserprobt. Das Modell bietet einen Leitfaden von der Vision, über das Betreibermodell bis hin zu den einzelnen Methoden.
Das Projekt UNIKAT entwickelte einen Weg, die Einzigartigkeit des eigenen Unternehmens aktiv zu gestalten. Dazu gilt es vor allem, die strategischen Potenziale im Unternehmen zu finden, die als unbekannte oder ungenutzte Stärken in jedem Unternehmen existieren. Da diese unternehmensspezifisch über eine längere Zeit gewachsen sind, können sie von Wettbewerbern kaum nachgeahmt werden. Mit Hilfe des entwickelten Potenzialscanners wird es möglich, dem „Zufall auf die Sprünge zu helfen“ und strategische Potenziale systematisch zu erschließen. Sie sind wichtige Grundlagen zur nachhaltigen Gestaltung von Wachstum und ständiger Selbsterneuerung des Unternehmens.
Als Reaktion auf eine starke Intensivierung des Wettbewerbs bei einer zugleich zunehmenden Individualisierung der Kundenwünsche entstand das strategische Konzept Kundenindividuelle Massenproduktion. Die Umsetzung dieser Konzepte ermöglicht Unternehmen, sich am Markt zu differenzieren und dabei gleichzeitig eine Kostenposition einzunehmen, die es erlaubt, kundenindividuelle Produkte zu wettbewerbsfähigen Preisen anzubieten. Mit dem Verbundprojekt UNI-ChOP gelang die Einführung und sukzessive Realisierung des heute anspruchvollsten Produktionskonzepts „Kundenindividuelle Massenproduktion“ in Unternehmen der Chargenindustrie. Es wurden drei methodisch anwendbare Geschäftsmodelle kundenindividueller Produktion in drei unterschiedlichen Branchen entwickelt und erprobt. Dazu wurden die Verhältnisse zu Kunden, Konfiguratoranbietern, Anlagenbauern und Ausrüstern neu definiert und die Abläufe und Strukturen innerhalb des kompletten Wertschöpfungsnetzwerkes neu gestaltet.
Die Kombination der Vorteile der Massenfertigung, Verstetigung und Beherrschung der Prozesse, mit denen der Einzelfertigung, individuelle Kundenbeziehung, erfordert neue Modelle für unternehmensübergreifende Kooperationen. Die hohen Anforderungen der Kunden hinsichtlich Preis und Liefertermin können nur durch eine gemeinsame Abstimmung der Produktions- und Lieferketten erfüllt werden. Das Verbundprojekt MyNet entwickelte eine unternehmensübergreifende Organisations-, Logistik-, Informations- und Kommunikationsinfrastruktur zur Anbindung von Prozessketten zwischen Handel, Hersteller und Zulieferer für die Fertigung kundenindividueller Produkte. Im Rahmen des Verbundprojektes wurden die Grundlagentechnologien für die Vernetzung der Prozessketten geschaffen und exemplarisch integriert.