IDproBlech - Produktionsnahe integrierte Dienstleistungen in der Prozesskette Blechverarbeitung
Kurzfassung:
Ziel des Projekts war die Entwicklung und Erprobung neuer Geschäftsmodelle, die sich aus veränderten Wertschöpfungsteilungen ergeben. Das bezog sich nicht nur auf die Wertschöpfungsteilung beim Produkt, sondern insbesondere auch auf die damit verbundenen Dienstleistungen (Leistungskombinationen). Um die Dienstleistungen zu ermöglichen, wurden neue technische Werkzeuge entwickelt. Solche "Enabler" sind ein elektronisches Werkzeugbuch, die drahtlose Echtzeit-Prozessüberwachung und entsprechend den Kundenanforderungen definierte Schnittstellen zwischen Presse und Werkzeug. Diese Entwicklungen wurden exemplarisch mit den beteiligten Unternehmen der Prozesskette Blechverarbeitung erprobt. Dabei wurden neue Geschäftsmodelle sowie Szenarien von unterschiedlichen Wertschöpfungsteilungen innerhalb der gesamten Prozesskette konzipiertt und deren unternehmensinterne und übergreifende Verrechnungsmöglichkeiten untersucht und ausgewählte Fallbeispiele bewertet.
Gerhard Schrempp
Progress-Werk Oberkirch AG
Tel.: +49 7802 84-428
E-Mail: gerhard.schrempp@progress-werk.de
Ansprechpartner bei PTKA-PFT:
Dipl.-Ing. Ulrike Kirsten
Tel.: +49 351 463-31411
E-Mail: ulrike.kirsten@kit.edu
Problemstellung
Das Wettbewerbsumfeld zwingt das produzierende Gewerbe in Deutschland zur permanenten Weiterentwicklung der Wertschöpfungsprozesse. Dieses beinhaltet auch die innovative Verknüpfung von physischen Produkten mit produktionsnahen Dienstleistungen zu Leistungskombinationen. Die Blechverarbeitung ist durch hohe Investitionen in Maschinen und Werkzeuge gekennzeichnet. Gleichzeitig sieht sie sich - als Zulieferer der Automobilbranche - marktmächtigen Kunden gegenüber, die bei ihren Zulieferern immer häufiger Produktpreise auf Grenzkostenniveau durchsetzen. Die blechverarbeitende Industrie ist vor diesem Hintergrund gezwungen, umfangreiche Produktivitätssteigerungen zu erzielen.
Bevor innovative Geschäftsmodelle zum operativen Einsatz kommen können, ist es insbesondere für KMU notwendig, die Chancen und die Risiken der neuen Dienstleistungen abschätzen zu können.
Projektziele
Um dieser Forderung zu entsprechen, soll eine Bewertungsmethodik entwickelt werden, die Potenziale neuer Dienstleistungsmodelle aufzeigt und bewertet. Die Basis der Verrechnung wird durch Controllinginstrumente sichergestellt, die die Leistungserbringung beim Kunden dokumentieren und überwachen. Die Voraussetzungen für die zu konzipierenden Geschäftsmodelle werden durch drei technologische Enabler geschaffen: das elektronische Werkzeugbuch, die drahtlose Echtzeit-Prozessüberwachung und eine standardisierte Schnittstelle zwischen Presse und Werkzeug.
Vorgehensweise und Ergebnisse
Bereits während der Laufzeit des Projekts erfolgt eine prototypische Implementierung und Erprobung der zu entwickelnden Konzepte bei einem Projektpartner aus dem Werkzeug- und Formenbau bzw. in einem Presswerk. Dadurch können die während der Testphase gewonnen Praxiserfahrungen in die Verbesserung der Konzepte und der Prototypen einfließen.
Die wirtschaftliche Bedeutung für nahezu alle produzierenden Unternehmen ergibt sich aus den im Projekt zu erarbeitenden Produkten. Neben dem erprobten und validierten Einsatz moderner Identifikationstechnologien zur Schaffung eines elektronischen Werkzeugbuchs und der Echtzeit-Prozessüberwachung von Blechumformwerkzeugen mittels drahtloser Sensordatenübertragung an die Presse ist dies insbesondere die standardisierte Schnittstelle zwischen Presse und Werkzeug. Weiterhin werden im Projekt neuartige produktionsnahe Dienstleistungen für die Prozesskette Blechverarbeitung entwickelt. Derartige neue Formen der Wertschöpfungsteilung innerhalb der Prozesskette erfordern auch neue Verrechnungsmodelle, die ebenfalls im Projekt konzipiert werden sollen. Damit die innovativen Geschäftsmodelle vor ihrem operativen Einsatz auf Risiko und Wirtschaftlichkeit überprüft werden können, wird eine Methode zur Bewertung von neuen Geschäftsmodellen mit Leistungskombinationen entwickelt und mittels einer Softwarelösung als Geschäftsmodell-Bewertungstool implementiert. Das Tool soll unternehmens- und brachenübergreifend einsetzbar sein.