Präventives Schutzkonzept für Investitionsgüter durch einen ganzheitlichen Ansatz aus Organisation, Technologie und Wissensmanagement
Kurzfassung:
Das Ziel des Verbundprojektes liegt darin, Produkte der Investitionsgüterindustrie durch einen präventiven Ansatz, unter Betrachtung von Technologie, Organisation und Wissensflussmanagement kopiersicherer zu gestalten und als Folge daraus den Aufwand für potenzielle Produktpiraten zu erhöhen. Das Konzept sieht die systematische Kombination aus einem technologischen Schutz, kontrollierte Wissens- und Datenflüssen sowie aufbau- und ablauforganisatorische Maßnahmen zur Minimierung des Risikos von Know-how-Abflüssen vor. Hierbei wird die Wertschöpfungskette über die Unternehmensgrenzen hinaus berücksichtigt. Eine erschwerte Kopierbarkeit bedeutet, den Kostenaufwand für Produktpiraten so zu erhöhen, dass Gewinne für die Piraten absinken und das Kopieren aufgrund hoher Investitionen risikoreich wird. Wenn es Produktpiraten mit gesteigertem Zeit- und Kostenaufwand gelingt, an das Know-how zu gelangen, so erschweren die organisatorischen und die technologischen Schutzkonzepte die Herstellung einer gleichwertigen funktionsfähigen und marktreifen Kopie dennoch. Die Verzahnung des präventiven Ansatzes bekämpft die Ursachen der Produktpiraterie auf ganzer Linie, wie beispielsweise Angriffe durch Reverse Engineering oder Datendiebstahl. Somit werden Schutzmaßnahmen für das Produkt bereits während der frühen Entwicklungsphase eingebunden. Das Projekt leistet im Wettbewerbsfeld:"Innovationen gegen Produktpiraterie" einen Beitrag zum präventiven Plagiatschutz.
Dr.-Ing. Josef Wüpping
Dr. Wüpping Consulting GmbH
Tel.: 0234 97835-0
E-Mail: jw@wuepping.com
Ansprechpartner bei PTKA-PFT:
Dipl.-Ing. Edwin Steinebrunner
Tel.: +49 721 608-24573
E-Mail: steinebrunner@kit.edu
Ausgangssituation
Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau ist als technologie- und exportorientierte Volkswirtschaft besonders betroffen von Produktpiraterie. Gerade kleine und mittlere Unternehmen werden durch Plagiate an den Rand ihrer Existenzfähigkeit gedrängt. Der VDMA
beziffert den Schaden alleine für den deutschen Maschinen- und Anlagenbau auf 4,5 Milliarden Euro und steigend. Durch die zunehmende Globalisierung und den daraus resultierenden aufwändigeren oder zum Teil nicht bestehenden Möglichkeiten der Rechtsdurchsetzung greifen etablierte Schutzmethoden regelmäßig zu kurz. Es besteht daher die Forderung, dass Unternehmen ihre Produkte durch präventive Strategien gezielt vor Produktpiraterie schützen sollen. Diese prekäre Situation erfordert einen dringenden Handlungsbedarf besonders im Bereich der Entwicklung erfolgversprechender Schutzkonzepte.
Projektziel
Das Ziel des Verbundprojektes PROTACTIVE liegt darin, Produkte der Investitionsgüterindustrie durch einen präventiven Ansatz -unter einer ganzheitlichen aktiven Betrachtung von Technologie, Organisation und Wissensflussmanagement- kopiersicherer zu gestalten und als Folge daraus den Aufwand für potenzielle Produktpiraten immens zu erhöhen.
Vorgehensweise:
Das Konzept von PROTACTIVE sieht die systematische Kombination aus einem früh implementierten technologischen Schutz, aus kontrollierten inter- und intraorganisationalen Wissens- und Datenflüssen sowie einer Reihe aufbau- und ablauforganisatorischer Maßnahmen zur Minimierung des Risikos von Know-how-Abflüssen jedweder Art vor. Hierbei beschränkt sich der PROTACTIVE-Ansatz nicht nur auf das eigene Unternehmen, sondern betrachtet die Wertschöpfungskette über die Unternehmensgrenzen hinaus.
Eine erschwerte Kopierbarkeit bedeutet in diesem Zusammenhang vor allem, den Kostenaufwand für Produktpiraten um ein derartiges Maß zu erhöhen, dass lukrative Gewinne für die Piraten kaum noch zu erzielen sind und sich das Kopieren somit äußerst unattraktiv und aufgrund hoher Investitionen risikoreich gestaltet. Unter der Annahme, dass der Einsatzzeitpunkt von Produktpiraterie frühestens am Anfang der Wachstumsphase liegt, wird dieser durch Kontrolle der Wissensflüsse über die Wertschöpfungskette zukünftig auf der Lifecycle-Achse deutlich verschoben, d.h. eine Know-how-Beschaffung gestaltet sich für den Piraten schwieriger als zuvor. Wenn es potenziellen Produktpiraten mit enorm gesteigertem Zeit- und Kostenaufwand dennoch gelingt, das notwendige Know-how zu akquirieren, so erschweren die organisatorischen sowie die technologischen Schutzkonzepte die Herstellung einer annähernd gleichwertigen funktionsfähigen und marktreifen Kopie um ein weiteres Maß. Dies führt dazu, dass der Umsatzverlust durch Produktpiraterie weiter minimiert wird, da nur die wenigsten Fälscher bereit sein werden, den erhöhten Aufwand zu treiben.
Die Verzahnung der drei modularen Säulenkonzepte -Organisation, Technologie und Wissensflussmanagement- zu einem ganzheitlichen Schutzkonzept bekämpft die Ursachen der Produktpiraterie auf ganzer Linie, wie beispielsweise Angriffe durch Reverse Engineering oder Datendiebstahl. Dieser präventive, aktive Ansatz besitzt den großen Vorteil, Schutzmaßnahmen für das Produkt bereits während der frühen Entwicklungsphase einzubinden. Der benötigte Methodenpool der drei Säulen wird sowohl mit bestehenden, als auch mit
adaptierten sowie neu- und weiterentwickelten Methoden gefüllt. Durch ein, hinsichtlich der Zielmerkmale Produkt, Pr
oduktionsvolumen und -komplexität sowie Unternehmensgröße, sehr heterogenes Projektkonsortium bestehend aus drei OEM / 1-tier-Netzwerken, werden die universelle Anwendbarkeit der Lösungen und der Fokus auf die Wertschöpfungskette gefördert.
Ergebnisse
Im Rahmen des Verbundprojektes sind in diesem Zusammenhang folgende Lösungen zu erarbeiten:
Entwicklung eines modularen organisatorischen Schutzkonzeptes
Entwicklung eines modularen technologischen Schutzkonzeptes
Entwicklung eines modularen wissenschützenden Konzeptes
Methodenleitfaden
Diese vier Themenkomplexe bilden die Grundlage für das Arbeitsprogramm des Projekts. Dabei durchlaufen alle Punkte die vier Phasen: Analyse, Konzeption, Entwicklung, Umsetzung und Überprüfung.
Anwendungspotential
Die Ergebnisse werden über vielfältige Aktivitäten (z.B. Bildung eines Industriearbeitskreises, Seminare, Veröffentlichungen, und Messeauftritte) allen interessierten Firmen und Forschungseinrichtungen zur Verfügung gestellt. Der OWL Maschinenbau und die Industrie- und Handelskammer Detmold unterstützen diese Aktivitäten durch ihre Mitgliedernetzwerke. Nach Projektende beabsichtigt die Unternehmensberatung Dr. Wüpping Consulting GmbH das entwickelte Schutzkonzept einschließlich der Tools und Methoden zur Marktreife weiterzuentwickeln und in ein Beratungskonzept einzubetten.