Produktpiraterie verhindern mit Softwareschutz
Kurzfassung:
Es wurde ein durchgängiges Schutzsystem entwickelt , das insbesondere den Nachbau von Maschinen und Komponenten, die mit komplexen Software-Funktionen ausgestattet sind, erschwert. Dazu werden vorhandene Technologien aus dem Bereich der Personal Computer genutzt und zu einem Schutzsystem für eingebettete Software, Applikationen und anderen digitalen Inhalten weiterentwickelt, das auf den im Maschinen- und Anlagenbau gängigen Hard- und Softwareplattformen eingesetzt werden kann. Das Projekt leistet im Wettbewerbsfeld: "Innovationen gegen Produktpiraterie" einen Beitrag zum präventiven Plagiatschutz.
www: http://www.pro-protect.de
Dipl.-Ing. Wolfgang Neifer
WIBU-Systems AG
Tel.: 0721 93172-53
E-Mail: wolfgang.neifer@wibu.com
Ansprechpartner bei PTKA-PFT:
Dipl.-Ing. Edwin Steinebrunner
Tel.: +49 721 608-24573
E-Mail: steinebrunner@kit.edu
Problemstellung
Gerade für Hochlohnländer wie Deutschland werden Schutzmechanismen für geistiges Eigentum immer wichtiger, um durch eine Eindämmung der Produktpiraterie die Ertragssituation der Unternehmen zu stärken, Arbeitsplätze zu schaffen und den Innovationsvorsprung zu halten.
In Produktionsanlagen, die von Rechnern unterstützt werden, sind neben den eigentlichen Anlagen in zunehmendem Maße auch Produktionsdaten schützenswert. Daher wächst der Schutzbedarf zur der Absicherung kompletter Entwurfs- und Fertigungsketten.
Aus Kostengründen werden Produktvarianten (z.B. bei Stickmaschinen, Chip- und Wire-Bond-Maschinen) auf einer einheitlichen Hardware-Plattform realisiert, während zusätzliche Leistungsmerkmale durch Software-Funktionen realisiert bzw. aktiviert werden. Die zunehmende Bedeutung eingebetteter Software führt zu einem neuen Bedarf an Software- und Daten-Schutzmechanismen, der mit heute verfügbaren Methoden nicht gegeben ist.
Projektziele:
Im Vordergrund des Vorhabens stehen die Embedded Systeme, die als spezialisierte Mikrocomputersysteme mit dedizierten Funktionen millionenfach als Teilkomponenten in Maschinen integriert werden, um wichtige Steuer- und Kontrollfunktionen automatisch auszuführen. Maschinen oder Anlagen, in denen Embedded Systeme integriert werden, nutzen vorprogrammierte Funktionen entweder als Einzelsysteme oder aber auch als Komponenten im Netzwerk.
Im Projekt vorhandene Technologien aus dem Bereich der Personal Computer werden genutzt und zu einem Schutzsystem für eingebettete Software, Applikationen und anderen digitalen Inhalten weiterentwicklt, das auf den im Maschinen- und Anlagenbau gängigen Hard- und Softwareplattformen eingesetzt werden kann:
- Entwicklung einer manipulationssicheren ("tamper resistant"), nicht klon- oder kopierbaren Schutzhardware, die mit harten kryptographischen Methoden eine sichere Plattform für Lizenzmanagement-Systeme bildet und über geeignete Schnittstellen (z.B. in Form eines Flash-Wechselspeichers, SPI-Interface, etc.) flexibel in Embedded-Systeme (z.B. Steuergeräte) integriert werden kann.
- Unterstützung einer einfachen Integration der Sicherheitshardware in neue und bestehende Produkte über entsprechende Technologie-Plattformen (Referenzdesigns) mit Unterstützung für gängige Schnittstellen und Betriebssysteme im Embedded- und Mobile-IT-Bereich.
- Entwicklung flexibler, auf Schutzhardware basierender Lizenzverwaltungssysteme, die einen effizienten Schutz vor Produktpiraterie von mit Software realisierten oder aktivierten Funktionen in Maschinen und Anlagen sowie von Produktionsdaten ermöglichen und dabei komplexe Lizenzierungsmodelle unterstützen. Dies muss dabei auch ohne bestehende Online-Verbindung möglich sein, da nicht immer Netzwerkanbindungen für Computer und Maschinen vorhanden sind.
Vorgehensweise:
Das Konsortium setzt sich aus fünf Projektpartnern zusammen, die alle Aspekte der späteren Umsetzung z.B. die Integration in bestehende Entwicklungs- und Produktionsprozesse berücksichtigen und in realitätsnahen Feldtests erproben werden. Der im Verbund beteiligte Systemanbieter stellt dabei sicher, dass die Projektergebnisse später in verwertbare Produkte überführt werden können.
Zum Erreichen der beschriebenen Projektziele wurden insgesamt 10 Arbeitspakete definiert, die über eine Projektlaufzeit von insgesamt 36 Monatenbearbeitet werden. Die Arbeitspakete bauen dabei aufeinander auf.
Ergebnisse
Im Rahmen des Projekts ProProtect sollen umfassende Schut
zkonzepte, neue Methoden sowie innovative technische Lösungen für eine durchgängige Schutzstrategie entstehen, die die gesamte Wertschöpfungs- und Logistikkette konsistent von der Rohmaterial-Wertschöpfung beim Lieferanten bis zur Entsorgung beim Kunden umfasst.
Anwendungspotenzial
Outsourcing und zunehmender Kostendruck führen zu einem steigenden Bedarf an neuen Vertriebsformen und Geschäftsmodellen bei Investitionsgütern (Pay per Use, Leasing, etc.). Mit Kopierschutzmaßnahmen für eingebettete Software-Systeme auf der Basis eines Digital Rights Management (DRM)- Systems wird es möglich, das DRM-System nicht nur zum Schutz gegen Produktpiraterie einzusetzen. Es kann ganz allgemein auch für die Gestaltung und Verwaltung von Wertschöpfungsketten im Produktionsprozess oder auch im Bereich der Dienstleistungen vorteilhaft zur Anwendung kommen. Die Ergebnisse des Projektes sollen Anwendern im Maschinen- und Anlagenbau ermöglichen, ihre überwiegend in Software-Komponenten realisierten Innovationen sowie anderes geistiges Eigentum (z.B. Lizenz- und Urheberrechte in Produktionsdaten) auch in kritischen Märkten vor Produktpiraterie und Lizenzverstößen zu sichern.
Eine Übertragung in andere Anwendungsbereiche soll durch den offenen Ansatz ermöglicht werden. Ein geplanter begleitender Industriearbeitskreis soll sicherstellen, dass das Konzept auch auf andere Bereiche des Maschinen- und Anlagenbaus übertragbar ist.
Autor: Gausemeier, J.; Glatz R.; Lindemann, U.
Verlag: Carl Hanser Verlag München
Erscheinungsjahr: 2012
ISBN: 978-3-446-43043-3
Beschreibung: Produktpiraterie ist eine enorme Bedrohung für die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Investitionsgüterindustrie. Zum Schutz vor Produktpiraterie bedarf es der Entwicklung innovativer, technischer Schutzmaßnahmen und ganzheitlicher Schutzkonzepte. Deshalb hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) Anfang 2008 im Rahmen der Hightech-Strategie 2020 die Forschungsoffensive "Innovationen gegen Produktpiraterie" initiiert. Innovative Unternehmen, Forschungsinstitute und Dienstleister haben in zehn Verbundprojekten neue wirkungsvolle Maßnahmen gegen die Nachahmung von Maschinen, Dienstleistungen und Ersatzteilen erarbeitet. Das Buch "Präventiver Produktschutz" bietet eine kompetente Aufbereitung der Projektergebnisse und zeigt anhand von praxiserprobten Beispielen, wie Schutzkonzepte erarbeitet und implementiert werden.
Autor: Kleine, O.; Kreimeier, D.; Lieberknecht, N. (Hrsg.)
Verlag: VDMA-Verlag
Erscheinungsjahr: 2010, November
ISBN: 978-3-8163-0601-6
Beschreibung: Dieser Band erläutert, wie Produkt- und Prozessgestaltung zu einer geschützten Einheit zusammengefasst werden können, um damit den Know-how-Abfluss im Unternehmen zu minimieren. Weiterhin informiert der Band über Möglichkeiten des Softwareschutzes von Maschinen. Am Endet steht ein präventives Schutzkonzept für Investitionsgüter mit einem ganzheitlichen Ansatz aus Organisation, Technologie und Wissensmanagement.
Autor: Wieczorek, I., Laraia, E., Steinebrunner, E.
Verlag: Zu beziehen beim Projektträger Karlsruhe (PTKA-PFT), E-Mail: jasmin.michalzik@kit.edu
Erscheinungsjahr: 2010
Beschreibung: Innovationen gegen Produktpiraterie - Handout der Abschlussveranstaltung am 16. November 2010 im Haus der Deutschen Wirtschaft, Berlin. Portraits der ausgewählten Projekte im BMBF-Programm "Forschung für die Produktion von morgen". Produktpiraterie ist eine enorme Bedrohung für die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit der Industrie in Deutschland. Deshalb hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) Anfang 2008 die Forschungsoffensive "Innovationen gegen Produktpiraterie" gestartet. Innovative Unternehmen der Investitionsgüterindustrie, Forschungsinstitute und einschlägige Dienstleister haben in zehn Verbundprojekten neue, besonders wirkungsvolle Maßnahmen gegen die Nachahmung von Maschinen, Dienstleistungen und Ersatzteilen erarbeitet.