Produktive Zeitnutzung für produzierende Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft
Kurzfassung:
In diesem Projekt wurde eine neue Zeitwirtschaftsmethode für den industriellen Alltag entwickelt und erprobt. Mit den vorliegenden Ergebnissen können deutliche Einsparungspotentiale erschlossen werden. Der Verwaltungsaufwand für Ermittlung und Pflege von Vorgabezeiten wird reduziert und es entsteht für die Mitarbeiter eine starke Motivationswirkung zur Vermeidung von Zeitverschwendungen. Zur automatischen Datenauswertung steht das modulare Softwarepaket PQplus zur Verfügung, das bis zur vollen PPS-Funktionalität ausgebaut werden kann. Die Ergebnisse sind in dem Abschlußbericht FZKA 196 und im Weißdruck der VDI-Richtlinie 3000 zusammengefaßt. Ein Forum zum industriellen Erfahrungsaustausch stellt der Arbeitskreis PQ dar.
Dipl.-Inf. Josef Gramespacher
3RS-Software GmbH & Co. KG
Tel.: 07246 9455-55
E-Mail: jgr@3rs.de
Ansprechpartner bei PTKA-PFT:
Dipl.-Ing. Edwin Steinebrunner
Tel.: +49 721 608-24573
E-Mail: steinebrunner@kit.edu
Problemstellung
Die klassische Zeitwirtschaft ist im Laufe ihrer jahrzehntelangen Anwendung in eine Negativspirale geraten war: Die in den Unternehmen vorhandenen Zeitdaten veralten schnell, weil die technische Entwicklung und die Marktanforderungen ein hohes Veränderungstempo erzeugen, das bei den Zeitdaten nur mit hohem Aufwand nachvollzogen werden könnte. Dieser Aufwand kann jedoch aus Kostengründen immer weniger erbracht werden. Die Veralterung wird dadurch beschleunigt.
Projektziele und erreichte Ergebnisse
In dem Verbundprojekt "Produktive Zeitnutzung" wurde eine neue Zeitwirtschaftsmethode entwickelt und erprobt, die auf einer Kennzahl PQ (PQ = ProduktivzeitQuote) beruht. Diese neu definierte Kennzahl ist geeignet, eine ganzheitliche Aussage über den Grad der produktiven Zeitnutzung von Arbeitsgruppen oder größeren Organisationseinheiten zu machen. Die neuen Zeitdaten sind für die Kalkulation und die Leistungsbeurteilung verwendbar.
Es wurde ein kostengeführtes Verfahren erarbeitet, das für eine ständige Aktualisierung sorgt. In die Leistungsbeurteilung werden alle betrieblichen Aktivitäten einbezogen. Die Beurteilungskennzahlen grenzen keine Mitarbeitergruppe aus. Die Auswertung erfolgt automatisiert und der Verwaltungsaufwand ist auf ein Minimum reduziert. Bei den Mitarbeitern wird Eigeninteresse an einer flexiblen Arbeitszeitdisposition erzeugt.
Wichtigster Ansatz war eine neue Definition von Standardzeiten: "Standardzeiten" sind vorgeplante Zeiten für Bearbeitungsvorgänge, für die aber keine allgemeingültige Bestimmungsregel existiert. An die Stelle der allgemeingültigen Regeln wurde ein Konsensbildungsprozeß gesetzt. Eine Standardzeit ist dann gültig und darf verwendet werden, wenn sie sowohl von der Unternehmensleitung, die mit dieser Zeit kalkuliert, als auch von den ausführenden Mitarbeitern, deren Leistung danach beurteilt wird, akzeptiert wird. Aus dieser Definition folgt, daß alle Zeitzuschläge entfallen können. Standardzeiten beruhen auf erfahrungsgemäßer Schätzung. Nachprüfbare Zeitstudien sind überflüssig.
Durch die Loslösung von einer allgemeingültigen Regel, wie sie in der klassischen Zeitwirtschaft üblich war, wird die Aktualisierung von Zeiten erleichtert. Dadurch wird eine Schwachstelle der bekannten Zeitwirtschaftsmethoden, nämlich ihr hoher Aufwand, vermieden. Dieser betrifft neben der Ermittlung von Vorgabezeiten auch die Erfassung von Ist-Zeiten, die erforderlich ist, um Soll / Ist-Vergleiche durchführen zu können. Im PQ-System werden nur die Daten verwendet, die in den Unternehmen ohnehin erfaßt werden müssen. Es sind dies die Anwesenheitszeiten der Mitarbeiter und die Fertigmeldungen der produzierten Waren (Gutstückzahlen).
Zur Verwaltung, Erfassung und automatischen Verarbeitung der vorgenannten Betriebsdaten wurde die Softwarelösung PQplus entwickelt, mit der die PQ-Methode in der Praxis erprobt werden kann. Die Leistungskennzahlen werden von der Software automatisch ausgewertet.
In der prototypischen Erprobung im Verbundprojekt wurden die Einsetzbarkeit in der industriellen Praxis und mögliche Einsparpotentiale nachgewiesen. Unternehmen, die die neuen Methoden einsetzen, können bei einem reduzierten Verwaltungsaufwand für Ermittlung und Pflege von Zeitdaten Leistungsziele planen und kontrollieren. Das PQ-System ist für eine Leistungsbewertung von Gruppen geeignet, in die alle Mitarbeiter (direkte und indirekte) in gleicher Weise einbezogen werden können.
Anwendungspotenzial
Zur Erarbeitung eine
s umfassenden Konzeptes zur Neugestaltung einer ganzheitlichen Zeitwirtschaft in deutschen Produktionsunternehmen, entstand in der VDI Gesellschaft Produktionstechnik die Richtlinie VDI 3000. Darüber hinaus wurde ein Industriearbeitskreis ins Leben gerufen, in denen Anwender ihre Erfahrungen austauschen.
Autor: Gramespacher, J.
Verlag: FZKA-Bericht, Karlsruhe
Erscheinungsjahr: 1999
ISBN: 196
Beschreibung: Das Verbundprojekt "Produktive Zeitnutzung" entwickelte und erprobte im industriellen Alltag eine neue Zeitwirtschaftsmethode. Die vorliegenden Ergebnisse und Erkenntnisse lassen erwarten, daß deutliche Einsparungspotentiale erschlossen werden können. Der Verwaltungsaufwand für Ermittlung und Pflege von Vorgabezeiten wird reduziert und es entsteht für die Mitarbeiter eine starke Motivationswirkung zur Vermeidung von Zeitverschwendungen. Zur automatischen Datenauswertung steht das modulare Softwarepaket PQplus zur Verfügung, das bis zur vollen PPS-Funktionalität ausgebaut werden kann. Die Ergebnisse sind in dem Abschlußbericht FZKA 196 und im Weisdruck der VDI-Richtlinie 3000 zusammengefaßt und erhältlich. Ein weiteres Forum zum industriellen Erfahrungsaustausch stellt der Industriearbeitskreis PQ dar.